[Reupload] Schreibkünste einer 13-Jährigen

Einer der Vorteile, wenn man den eigenen Blog im Reader speichert: Nirgendwo sonst gespeicherte Beiträge können doch noch mal gefunden werden, nur ohne Fotos.

Lest mit mir noch einmal, wie ich mich 2015 für euch blamierte 😀
Sinn des Ganzen ist hauptsächlich Spaß an der Freude. Aber ich möchte meine Charaktere ein etwas vorstellen und ein bisschen dokumentieren, wie ich an meinen Geschichten arbeite 🙂

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Mit dem Schreiben fing ich an, als ich ungefähr 13/14 Jahre alt war – das war um 2001/2002. Hier werdet ihr jetzt Ausschnitte aus meiner Geschichte “Eiszeit” betrachten können, welche damals noch einen englischen Titel hatte – eventuelle Anmerkungen gibt es farbig abgegrenzt. Ihr werdet sehen: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen!

2001/2002:

“Kima!” rief Larsch seiner Frau zu, er konnte ihr nicht mehr helfen. Sie wurde von einem riesigen Eiswurm verschlungen. Neben Larsch stand seine Tochter Sliva: “Mama! Papa so tu doch was! Mama braucht dich!” sie zog an seinen Klamotten. Larsch nahm Sliva auf den Arm: “Es tut mir leid Sliva” Um sie herum war ein riesiges Menschengetümmel, alle versuchten vor den Eiswürmern zu fliehen, manche wurden von den Eiswürmern umgebracht.
(Ich mag es ja, wenn man direkt in die Geschichte rein fällt. Aber ich bin offensichtlich davon ausgegangen, dass man auch ohne viel Randinformationen genau nachvollziehen kann, was gerade passiert. Halten wir fest: Wer oder was sind diese Eiswürmer? Wieso kann sich ein kleines Kind schon so erwachsen ausdrücken? Und woher sollen die Leser wissen, dass es sich bei Sliva tatsächlich um ein kleines Kind handelt? And where are the Satzzeichen?!)

“Larsch! Wir müssen weg hier!” rief Gash und rannte zu ihm, die beiden waren sehr gute Freunde, auch Gash hatte seine Frau verloren.
(Wahnsinnig gehaltvolle Informationen verpackt in einem einzigen Satz! That’s it!)

“Gash! Wo ist Flash?” “Er ist verschwunden! Tjens beeil dich!” Tjens rannte zu Gash, der ihn ebenfalls auf den Arm nahm. Die Eiswüste war riesig und die Eiswürmer verschwanden langsam. Am nächsten Morgen lief Sliva zu ihrem Vater: “Wo ist Mama?” […]
(Wohin gehen sie? Warum verschwinden die Eiswürmer so plötzlich? Wie und wo haben sie übernachtet?! Diese Namensvielfalt!)

[…] “Aber Papa was meinst du damit? Ich will zu Mama!” Sliva fing an zu weinen, Tjens versuchte sie aufzuheitern: “Hey Sliva! Wollen wir was spielen?” “OK!”

2015 sieht das Ganze nun bisher so aus, dass ich den obigen Part nur als Flashback plane. Der Einstieg bleibt aber aktiv ins Geschehen hinein.

Die Kapitel bauen sich nun komplett anders auf. Ich will einen gleichmäßigen Wechsel zwischen Gegenwart und Vergangenheit haben, so dass nicht zu viel Zeit mit der Vorgeschichte vertrödelt wird, sondern die wichtigsten Infos in einem Flashback verankert werden. Ich selbst hätte definitiv keine Lust dazu, das Erwachsenwerden eines 7-Jährigen zu verfolgen, denn es wird erst 12 Jahre später richtig interessant.

Kommen wir aber noch mal zu ein paar Highlights meiner teeniehaften Schreibkünste!

Als sie aus dem Zelt rauskamen liefen alle kreuz und quer in eine Richtung.
(Ich habe in den letzten 13 Jahren nicht heraus finden können, wie das eigentlich funktioniert…)

Es gab auch logische Geistesblitze: Das Ganze soll nämlich ein medieval-fanatasy-flair haben. Nur hat das mein 13-jähriges Ich nicht verstanden. Die waren nämlich super modern mit Erste-Hilfe-Kästen ausgestattet!

Er fühlte sich unsicher was seine Gefühle betraf. Seit er vorhin mit Sliva zusammengekracht war hatte er ein merkwürdiges, schönes aber auch ein irgendwie schmerzendes Gefühl in der Brust wenn er auch nur an Sliva dachte. So fühlte er sich noch nie, was konnte das sein?
(Natürlich ploppt bei einem 15-Jährigen einfach so mal eben die Liebe auf, weil man mit dem Mädchen zusammen stieß, das man schon sein Leben lang kennt. Hand auf’s Herz: Verblendet von Wedding Peach hab ich nicht begriffen, dass das bei Mädchen und Jungs ganz verschieden läuft. Und nur ganz kurze Zeit später gibt es schon den ersten Kuss, weil Tjens von jemandem geschubbst wird… Das Schlimmste daran ist eigentlich, dass ich noch ganz genau weiß, wie ich mich damals beim Schreiben fühlte und wie toll ich das alles fand… Immerhin hatte ich den Unterschied von “seit” und “seid” drauf!)

Das wohl ironischte ist, – und das fällt mir jetzt erst so richtig auf – das die Beziehung zwischen Larsch (Sliva’s Vater) und Tjens völlig unklar bleibt. Für Larsch ist von Beginn an klar, dass Tjens nicht sein Schwiegersohn werden soll – das erfährt nur der Leser nicht. Und trotzdem… Am Anfang setzt sich Larsch für Tjens ein und er scheint ihm äußerst wichtig zu sein, aber natürlich erwischt er die beiden beim unverhofften Knutschen und von da an ist Tjens bei ihm unten durch. Ob das eine von mir ungewollt herbeigeführte Midlife-Crisis ist Oo?

Die meisten Diskussionen enden damit, das ein Gesprächspart einfach geht. Beide Väter sind in absolut keinster Weise dazu in der Lage, ihre Kinder vernünftig zu erziehen, denn auch sie lassen es zu, dass ihre Kinder vor Diskussionen einfach davon laufen und damit ist das Thema dann gegessen und alles wieder in Butter. Hinzu kommt, dass Gash es auf absolut wundersame Weise schafft, Larsch zu verheimlichen Tjens’ Vater zu sein, obwohl er schon lange einen Verdacht hegt. It’s magic!

“Verheimlichst du etwas vor mir?” fragte Larsch. “Was meinst du?” fragte Gash. “Tjens. Er ist genauso wie du als du noch jung warst” “Was willst du damit sagen?” “Außerdem sieht er dir ähnlich” “Larsch er ist nicht mein Sohn!” Nach diesem Gespräch gingen sie schlafen.

Dann gibt es da noch eine gewisse Problematik um Sliva herum. Sie soll eine Art Prinzessin sein, aber tut den ganzen Tag nichts weiter als rumzusitzen und sich darüber zu ärgern, dass ihr Vater sie nicht mehr mit Tjens alleine lässt. Larsch bereitet sie auf absolut nichts vor und ihr Verlobter (Flash) ist spurlos verschwunden. Was passiert wohl mit dem Volk, wenn Larsch das Zeitliche segnet und Sliva dann übernehmen muss, aber überhaupt keine Ahnung hat, was sie so tun muss Oo? Hmmm….
Ich habe die Story 2 – 3 Jahre später einmal von Grund auf überarbeitet und viele Infos hinzugefügt, aber solche Fragen hatte ich immer noch nicht bedacht. Was ist Slivas Lebensaufgabe? Warum wandert das Volk eigentlich umher? Warum entstehen so viele Konflikte und warum lösen sie sich immer wie von Geisterhand, nur weil einer weg geht? Kurios, kurios!

Immerhin habe ich in der überarbeiteten Version die Wandervolkproblematik etwas genauer ausgeführt. Und zwar indem ich klar stellte, dass Sliva und Flash heiraten müssen, weil Freundschaft zwischen den beiden Völkern für ein Überleben nicht ausreicht. Punkt! Flash spielt sogar im ersten Kapitel eine wesentlichere Rolle, weil er nicht von Beginn an einfach “spurlos verschwunden” ist, sondern sich erst später dazu entschließt, die Gruppe zu verlassen. Geistesblitze FTW!

Weiterhin habe ich auch etwas genauer beleuchtet, dass sich Tjens und Flash nicht richtig leiden können. Flash ist schlichtweg eifersüchtig, aber man erfährt lediglich, dass Tjens irgendwie schon immer in allem besser war – warum das so ist und um was für Dinge es sich genau dabei handelt bleibt offensichtlich mein Geheimnis!

Eine meiner absoluten Logikglanzleistungen ist wohl immer noch die Situation, in der Tjens und Sliva inflagranti erwischt werden und Tjens dafür auch noch belohnt wird….

Tjens war mehr oder weniger entsetzt: “Larsch! Gash!” er stand auf und ging zu Larsch und kniete sich vor ihm nieder: “Ich weiß das du mich nicht leiden kannst, Larsch. Verzeih mir!” “Steh auf! Und hör dir erst mal an was Gash dir zu sagen hat.” Tjens stand auf und Gash umarmte ihn: “Tjens. Du bist mein Sohn!” Tjens hatte also doch einen Vater, er wusste nichts zu sagen. “Tjens komm her und halt deine Hand auf” sagte Larsch. “Warum?” fragte Tjens. Larsch gab ihm etwas, es war der Ring, den Sliva vor kurzem noch getragen hatte.
(Bis Sliva diesen Ring abgelegt hatte, wusste man nicht einmal, dass sie überhaupt einen trug… Derweil bin ich einfach froh, dass ich diesen Bockmist komplett gestrichen habe. Alter… Das geht auf keine Kuhhaut…)

Ohne das sie etwas bemerkte schleichte sich jemand von hinten an sie heran.

Jaja, Sliva wird über Nacht enführt. Larsch aber will Tjens dafür verantwortlich machen, wenn er sie nicht findet. Dabei hat er am Vortag noch freudig der Verlobung zugestimmt… Das muss wirklich eine (andauernde) Midlife-Crisis sein…

Flash wiederte sie an, vernarbtes Gesicht und überhaupt gefiel er ihr nicht.
(Neben einem der wohl dümmsten Rechtschreibfehler, die absolut unsinnigste Begründung überhaupt…)

“Flash was soll das heißen mit ich hab dir deinen Vater genommen?” fragte Tjens. “Worauf willst du hinaus?” fragte Flash. “Ich hab ihn dir nicht genommen! Warum hätte ich das tun sollen?” “Weil du keine Eltern hast, vielleicht?” Tjens ging zu Flash und riss ihm den Stoff von seinem rechten Arm und hielt seinen dagegen. “Gash hat dieses Zeichen auch. Ich bin dein Bruder”
(Are you f*ckin’ serious?! Du bist nie auf die Idee gekommen, Gash könnte dein Vater sein, weil ihr das gleiche verdammte, nie zuvor erwähnte, Zeichen auf der Haut tragt? Am ARM – einem Körperteil, den man durch Hochkrämpeln der Ärmel viel leichter und öfter freilegt, als beispielsweise den Bauch oder Hintern?!)

“Du kannst nicht mein Bruder sein, wenn ja warum hat mir das niemand gesagt?” Flash war fassungslos, “Weil Gash nicht wollte das jemand weiß das er seiner Frau untreu war”.
(Ganz bestimmt. Denn das wäre ja absolut skandalös. ………….
Er hat deiner Kindheit den Arsch gerettet, du Trottel!)

“Ich will auch wieder zurück und jetzt will ich bei dir bleiben”
(Weißt du eigentlich was du wirklich willst?!)

“[…], das hat sie nicht verdienst”
(Handschriftlich ein s rein zu schummeln… Meisterleistung…)

Und es gab verdammt oft der/die/das “einzigste” zu lesen…

Ich habe diese Entführungssache auch nie richtig beendet, wahrscheinlich, weil ich gar nicht wusste, worauf ich damit eigentlich hinaus wollte. Beide Versionen aus meiner Teeniezeit enden mittendrin oder ganz kurz vor dieser Entführung. Offensichtlich wusste ich auch beim zweiten Mal nicht, was das sollte XD

Dafür freue ich mich, dass ich heute noch so viel aus diesen katastrophalen Anfängen heraus holen kann 🙂 Besonders seit ich die Fanfiction zu Lorenor Zorro und Nico Robin schreibe, die ich dafür nutze, mich textlich auszuprobieren und neues zu wagen, stelle ich fest, wie sich das auch auf meine anderen Werke überträgt und diese davon textlich sehr profitieren. Das macht alles so unglaublich viel Spaß, so dass ich auch freiwillig mehrere Stunden in Recherchen investiere. Schön, wenn sich ein Hobby über die Jahre hinweg so präzisiert 🙂 Habt ihr so etwas auch?
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Frau_Shmooples

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